Zukunftsweisende Gewerbeentwicklung in Bremen ?

Entwicklungsstrategie ist ein „zahnloser Tiger“

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Mit der aktuell vorgelegten Entwicklungsstrategie „Zukunftsweisende Wirtschaftsstandorte" wollen die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa und die Wirtschaftsförderung Bremen die Themen Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität bei der Entwicklung von Gewerbestandorten stärker berücksichtigen. „Diese Zielstellung ist überfällig, aber angesichts von Klimakrise und Artensterben im Jahr 2021 viel zu kurz gesprungen“, kommentiert Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt. Insbesondere fehlen konkrete Ziele und Maßnahmen zum Beenden des Flächenneuverbrauchs und zum Recycling von Flächen. Stattdessen setzt das Wirtschaftsressort weiter auf einen wachsenden Flächenfraß.

 

„Ein sparsamer Umgang mit der begrenzten Fläche wie auch die Sicherung von Natur- und Freiräumen müssen in Zeiten des Klimawandels und des dramatischen Artensterbens absolute Priorität haben,“ betont Ulf Jacob. Damit die genannten Ziele wie „mehr Klimaschutz und Biodiversität und weniger Flächenverbrauch“ tatsächlich erreicht werden, bedarf es messbarer, spezifischer Ziele und Zeitvorgaben sowie konkreter, wirkmächtiger Maßnahmen zur Zielerreichung, die in der Strategie weitgehend fehlen. Die geplante ökologischere Gestaltung von Grün- und Freiflächen bei der Neuentwicklung von Gewerbegebieten und die Aussagen zur Dachbegrünung sind zu begrüßen, allerdings sind diese nicht verbindlich und nicht ausreichend konkret. Unverbindliche allgemeine Absichtserklärungen helfen nicht weiter. Das Bündnis fordert statt dessen, die Ausnahmen des Begrünungsortsgesetzes für Gewerbegebäude zu streichen und die Regeln (Verpflichtung zu Begrünung) auch auf Gewerbeimmobilien anzuwenden.

 

Die verfügbaren Freiflächen für eine industrielle und gewerbliche Ansiedlung sind im Stadtstaat Bremen begrenzt und endlich. Das Bündnis lebenswerte Stadt fordert, den expansiven Flächenverbrauch bei der Gewerbeentwicklung zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken. Die Entwicklungsstrategie „Zukunftsweisende Wirtschaftsstandorte" muss dafür konkrete Strategien ohne weiteren Flächenverbrauch entwickeln und verbindliche Meilensteine festlegen. Dringend erforderlich ist ein grundlegender Wandel der bremischen Flächenpolitik hin zu einer echten Flächen-Kreislaufwirtschaft.

 

Der ständig steigende Landschaftsverbrauch zerstört fruchtbare Böden und schädigt Natur und Umwelt massiv. In Bremen beträgt der jährliche Flächenverbrauch derzeit rund 35 Hektar (das entspricht der Größe von 50 Fußballfeldern). Aktuell sind bereits rund 60% der Fläche Bremens Verkehrs- und Siedlungsflächen. Mit 348 m2 pro Einwohner weist Bremen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten den höchsten Anteil an bebauter Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Kopf auf. Dies ist in mehrfacher Hinsicht problematisch, da Boden eine begrenzte Ressource ist und versiegelte Flächen und Landschaftsverbrauch sowohl zum Verlust von Biodiversität (biologische Vielfalt) und fruchtbaren Böden beitragen als auch die Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels (Starkregen, Hochwasser, Hitze) erhöhen. Die Schäden an Natur und Umwelt durch Versiegelung und Zerschneidung sind erheblich und zumeist unumkehrbar.

 

Das Bremer Bündnis lebenswerte Stadt fordert

  • den bisherigen expansiven Flächenverbrauch in Bremen zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken,
  • die Siedlungsgrenze des Flächennutzungsplans beim GEP 2030 einzuhalten und Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch zu entwickeln,
  • die Dynamik der Innenentwicklung zu erhöhen und die Flächeneffizienz zu steigern,
  • die Ausnahmen des Begrünungsortsgesetzes zu streichen und die Regeln (Verpflichtung zu Begrünung) auch auf Gewerbegebäude anzuwenden,
  • die Kooperation mit den Umlandkommunen mit dem Ziel zu stärken, gemeinsam mit Niedersachsen an der Erreichung des Netto-Null-Ziels zu arbeiten,
  • eine systematische Bestandsaufnahme von Flächennutzungspotentialen in den Gewerbe- und Mischgebieten sowie ein regelmäßiges Monitoring der recyclebaren Gewerbeflächen durchzuführen,
  • Flächen nur bei gleichzeitiger Entsiegelung mindestens gleich großer Flächen an anderer Stelle neu zu bebauen.

 

Zukunftsweisende_Wirtschaftssandorte_GEP
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Unser Positionspapier

Flächenverbrauch stoppen - Positionspapier Bündnis
Flächenverbrauch stoppen Position Bündni
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Allianz gegen Flächenfraß

Gewerbeentwicklung auf weniger Fläche

Derzeit wird ein neues Gewerbeentwicklungsprogramm in Bremen aufgestellt. Nach den Vorstellungen des federführenden Wirtschaftsressorts werden dabei auch weitere neue Gewerbeflächen diskutiert - zum Beispiel im Blockland, in der Ochtumniederung südlich des Flughafens, im Naturschutzgebiet Neustädter Hochwasserpolder und auch in Kleingartengebieten etwa durch die Erweiterung des Gewerbegebietes Bayernstraße. Eine breite Allianz von Fachverbänden, der sich u.a. auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V., Architects for Future Bremen e.V. und der Unternehmensverband Garten -, Landschafts- und Sportplatzbau angeschlossen haben, lehnt die Entwicklung neuer Gewerbegebiete „auf der grünen Wiese“ kategorisch ab. Der ständig steigende Landschaftsverbrauch zerstört fruchtbare Böden und schädigt Natur und Umwelt massiv. „Ein sparsamer Umgang mit der begrenzten Fläche wie auch die Sicherung von Natur- und Freiräumen müssen in Zeiten des Klimawandels und des dramatischen Artensterbens absolute Priorität haben,“ betont Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt.

 

Das Bündnis fordert, den bisherigen expansiven Flächenverbrauch zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken. Das Gewerbeentwicklungsprogramm (GEP 2030) muss deshalb Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch entwickeln und dafür verbindliche Meilensteine festlegen. Dringend erforderlich ist ein grundlegender Wandel der bremischen Flächenpolitik hin zu einer echten Flächen-Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört auch eine Reform der Aufgaben und der Finanzierungslogik der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Das bisherige Kerngeschäft der WFB, Gewerbegebiete mit hohen Kosten zu entwickeln und dann unter Wert zu verkaufen, ist nicht zukunftsfähig und muss den Zielen einer hohen Flächeneffizienz angepasst werden. Die Finanzierung bzw. der Erfolg der WFB darf nicht länger von der Menge der verkauften Gewerbeflächen abhängen.

 

In Bremen beträgt der jährliche Flächenverbrauch derzeit rund 35 Hektar (das entspricht der Größe von 50 Fußballfeldern). Allein in den letzten 20 Jahren sind in Bremen über 2125 Hektar Freifläche durch Gewerbe- und Industrieanlagen verloren gegangen. Das entspricht der Größe von 2976 Fußballfeldern. Aktuell sind bereits rund 60% der Fläche Bremens Verkehrs- und Siedlungsflächen. Mit 348 m2 pro Einwohner weist Bremen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten den höchsten Anteil an bebauter Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Kopf auf.

 

Unverbauter Boden ist neben den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und daher von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz. Die Sicherung von Grünräumen, Stadtnatur und Kleingartengebieten sind für die Lebens- und Umweltqualität in der Stadt unverzichtbar. Sie sorgen für frische Luft, bieten Abkühlung bei sommerlicher Hitze und speichern wertvolles Regenwasser in der Stadt. Für Tiere und Pflanzen sind sie Lebensräume und tragen zum Erhalt urbaner Artenvielfalt bei. Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig soziale Funktionen von Grün- und Freiflächen sind. Als wohnortnahe Aufenthaltsräume wirken sie positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit und dienen der derzeit besonders wichtigen Erholung, Bewegung und Umwelterfahrung.

 

„Wird die Flächenneuinanspruchnahme nicht gestoppt, beraubt sich die Menschheit ihrer Lebensgrundlage.“ Statusbericht Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft 2020

 

Unsere Forderungen

Stadtgrün ist systemrelevant und im Bestand bedroht

Grün in Konjunkturprogrammen berücksichtigen

Intensiv genutzt: Der Osterdeich, eine der beliebtesten Grünflächen in Bremen (© Ingrid Krause / BTZ)
Intensiv genutzt: Der Osterdeich, eine der beliebtesten Grünflächen in Bremen (© Ingrid Krause / BTZ)

Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Grünflächen, Parks und Kleingärten für die Menschen in der Stadt sind. Das bestätigen die jüngst veröffentlichten Google-Bewegungsdaten: In Bremen hat die Aufenthaltsdauer in Parks und Grünanlagen im April danach im Vergleich um 76 % zugenommen. Die gestiegene Wertschätzung von Stadtnatur und Grün in der Corona-Krise belegt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

„Grün ist systemrelevant für eine Stadt. Grün- und Freiräume leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und helfen auch, die Akzeptanz der Corona-Beschränkungen zu verbessern“, sagt Professorin Sabine Baumgart, assoziiertes Mitglied am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen. Es gelte heute mehr denn je, die gesundheitsschützenden Funktionen von Stadtgrün, aber auch einer guten Nah- und Gesundheitsversorgung zu sichern und weiter zu entwickeln, so Frau Prof. Baumgart, die auch Präsidentin der ARL-Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft ist.

 

Doch das Stadtgrün in Bremen ist im Bestand bedroht. „Aktuell sind über 80 % der Bäume in Bremen geschädigt oder geschwächt. Bremer Parks und Grünanlagen leiden unter einem dramatischen Sanierungsstau und können ihre Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen“, so Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt. Der Klimawandel und der verstärkte Nutzungsdruck u.a. auch in Folge der Corona-Krise verschärfen das Problem. Der Abbau der Defizite und die Sicherung der grünen Infrastruktur erfordern daher große Anstrengungen, die das Land und die Stadt Bremen bislang vernachlässigt haben.

 

Das Bündnis lebenswerte Stadt – grünes Bremen hält Investitionen in das Bremer Grün in Höhe von mindestens 35 Mio. Euro für notwendig und schlägt konkrete Sofortmaßnahmen vor, die aus den geplanten Konjunkturprogrammen finanziert werden sollten. „Seit vielen Jahren ist das öffentliche Grün in Bremen unterfinanziert. Im Rahmen der Konjunkturpakete des Landes und des Bundes gilt es jetzt, gegenzusteuern und den Sanierungsstau abzubauen,“ fordert Martin Rode, Geschäftsführer BUND Bremen.

 

Lesen Sie auch die Artikel im Weser Kurier und in der Tageszeitung TAZ

 

Das Bündnis macht sieben konkrete Vorschläge zur Berücksichtigung von städtischem Grün in Bremen und Bremerhaven bei den bevorstehenden Konjunkturprogrammen des Bundes und des Landes zur Überwindung der Corona-Krise und ihrer mittel- bis langfristigen Folgen (siehe auch Anlage):

  1. Investitionen in Infrastruktur (Rad- und Fußwege, Brücken und Gebäude)
  2. Investitionen in Bäume
  3. Investitionen in das Grün der Anlagen und Parks
  4. Investitionen in Konzepte, Planungen, Steuerung und Koordinierung
  5. Investitionen in Ausrüstung
  6. Aus- und Weiterbildung
  7. Investitionsfonds für nichtöffentliche Parks und Grünanlagen

Das ausführliche Positionspapier „Stadtgrün ist systemrelevant - Grüne Infrastruktur – Grünanlagen, Parks und Kleingärten - in Konjunkturprogrammen berücksichtigen“ findet sich hier zum download

 

Grüne Infrastruktur in Konjunkturprogrammen berücksichtigen
Positionspapier Stadtgrün Konjunkturprog
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Vortrag und Diskussion

Paris wird grün - Aktionsplan Stadtgrün

Paris wird grün. Im Rahmen der Kampagne „Végétalisons la ville“ sollen bis 2020 ein Drittel aller Fassaden und Dächer der Stadt begrünt werden. Insgesamt rund 250 Hektar Dach- und Fassadenflächen will Paris bepflanzen. 75 verschiedene Projekte sind bis jetzt bereits angelaufen, bei denen es nicht nur um besseres Stadtklima, sondern auch um die Produktion von Lebensmitteln geht. Ein Drittel der neuen Grünflächen sind speziell für sogenanntes „Urban Farming“ reserviert. Die Bremer Landschaftsarchitektin Prof. Verone Stillger berichtete über ihren kürzlichen Besuch in der französichen Hauptstadt und erläuterte den Pariser Begrünungsplan. Leben, Wohnen und Arbeiten auf dem grünen Dach ist gerade cool in Paris und eine Touristenattraktion. Prof. Stillger berichtete im vollen Klimacafe über angesagte Projekte mit vielen Partnern aus der Wirtschaft, Finanzwelt, Wohnungsbau bei denen es nicht nur um Stadtklima, sondern auch um Gesundheit und Lebensmittelproduktion geht. Fazit: hier geht die Bürgermeisterin selbst voran, es braucht viel Information, Spass an Innovation und eine Verpflichtung zur Begrünung. Mehr Grün macht die Stadt attraktiv.

 

Weitere Informationen über die Begrünungsprogramme hier http://www.parisculteurs.paris/en und https://vegetalisons.paris.fr/vegetalisons/

 

 

Senat missachtet eigene Vorgaben zur Anlage von Gründächern auf Gewerbehallen

Gewerbegebiete müssen grüner werden

Für den Gewerbepark Hansalinie werden fast 300 Hektar Fläche versiegelt (©WFB Studio B)
Für den Gewerbepark Hansalinie werden fast 300 Hektar Fläche versiegelt (©WFB Studio B)

Gewerbegebiete in Bremen müssen "grüner" werden. Für neue Gewerbegebiete wie für den Gewerbepark Hansalinie Bremen (GHB) werden hunderte von Hektar überbaut und neu versiegelt. Insgesamt soll im Gewerbegebiet Hansalinie in fünf Baustufen eine Gesamtfläche von fast 280 Hektar bebaut werden. Um einen Ersatz für den großflächigen Naturverbrauch und einen Klimaausgleich zu schaffen, müssten Gewerbehallen mit einer Dachbegrünung versehen werden. Dazu hat sich der Senat im Gewerbeentwicklungsprogramm 2020 konkret am Bespiel des Gewerbepark Hansalinie Bremen (GHB) selbst verpflichtet und hatte vorgeschrieben, das Unternehmen bei ihren Bauvorhaben hier "ökologische Anforderungen wie Dachbegrünung oder Photovoltaik berücksichtigen müssen" (Gewerbeentwicklungsprogramm 2020, S.55). Leider hat Bremen seine eigenen Vorgaben bisher nicht umgesetzt.

 

"Grüne Dächer sind eine wichtige Maßnahme um dem Klimawandel und auch dem Artensterben entgegen zu wirken", so Ulf Jacob vom Bündnis für eine lebenswerte Stadt. Denn Dachbegrünungen sind ein zentrales Instrument, um einen Ausgleich zu erreichen zwischen der Verdichtung der Stadt und der Notwendigkeit, die für die Artenvielfalt und zur Klimaanpassung wichtigen Grünstrukturen zu erhalten und auch neu zu schaffen. Damit Bremen - trotz zunehmender Bebauung und neuer Gewerbegebiete - lebenswert bleibt, fordert das Bündnis mehr Dachbegrünung und grüne Fassaden. Grüne Dächer sollten auch in Bremen verstärkt gefördert und in der Bauplanung etwa über eine "Gründachsatzung" vorgeschrieben werden. Alle Neubauten wie auch geeignete Gewerbehallen mit Flachdächern müssten ein grünes Dach bekommen, so das Bündnis. Solche Pläne gebe es in vielen deutschen Städten, in Bremen allerdings bisher nicht.

 

Hier finden Sie das Gewerbeentwicklungsprogramm 2020

 

 

„Grünen Bundestrend nicht verschlafen" - Veranstaltung

Parkplätze zu Grünflächen - mehr grüne Dächer

Die Bundesregierung will Städte grüner und lebenswerter machen. Dazu hat Bundesbau-ministerin Barbara Hendricks (SPD) die „Grüne Infrastruktur“ zu einem Schwerpunkt ihrer Politik erklärt. Mit einem jetzt vorgelegten „Weißbuch Stadtgrün“ sollen aus Parkplätzen vermehrt Grün- und Freiflächen werden, Dächer verstärkt begrünt und als Gemeinschaftsgärten nutzbar sein. Doch Bremen laufe aktuell Gefahr, sich von diesem „grünen“ Bundestrend und den Fördertöpfen abzukoppeln, wenn Personal und Programme für den Grünerhalt weiter abgebaut werden, warnt das Bremer Bündnis für eine lebenswerte Stadt. Die seit langem auf „Eis“ liegenden Beschlüsse für die Planung und Sicherung von Grünanlagen in der Stadt (Grünordnungspläne) müssten endlich auf den Weg gebracht werden. Das Bündnis fordert, die dafür notwendige personelle Ausstattung und Steuerungskompetenz im Hause des Bau- und Umweltsenators sicherzustellen. Auf Einladung des Bündnisses für eine lebenswerte Stadt stellte das Bundesbauministerium das Weißbuch am 14. Juni in Bremen offiziell vor und diskutierte es mit verantwortlichen Akteuren aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Stadtplanung und Verbänden. Weitere Informationen hier...

 

 

Geplante Fusion Entsorgungsbetriebe - Gartenbauamt: „Bremer“ Irrweg vermeiden

Bremerhavener Gartenbauamt erhalten

ver.di Bezirk Bremen-Nordniedersachsen demonstriert am Gartenbauamt Bremerhaven    (c)ver.di
ver.di Bezirk Bremen-Nordniedersachsen demonstriert am Gartenbauamt Bremerhaven (c)ver.di

Das Bündnis für eine lebenswerte Stadt sorgt sich um Bremerhavens Stadtgrün, wenn das Gartenbauamt aufgelöst werden sollte. Laut eines Beschlusses von SPD und CDU sollen Gartenbauamt und Entsorgungsbetriebe Bremerhavener (EBB) bis zum 1.1.2018 zu einem neuen Wirtschaftsbetrieb fusioniert werden. Doch das schadet besonders dem Stadtgrün, das als kommunale Aufgabe auf eine kommunale Finanzierung angewiesen ist. „Es braucht einen kompetenten und leistungsfähigen Sachwalter für das städtische Grün. Den hat Bremerhaven mit seinem Gartenbauamt, will dies nun aber ohne Not aufgeben und mit der EBB verschmelzen. Bremen hat diesen Irrweg schon vor Jahren beschritten und macht ihn nun wieder rückgängig.“ In der Vergangenheit wurden in vielen deutschen Städten Gartenbauämter kleingespart, teilprivatisiert und mit anderen kommunalen Dienstleistern wie Entsorgung oder Stadtentwässerung zusammengelegt – zum Nachteil von Parks, Grünanlagen und Straßenbegleitgrün. Deshalb forderte das Bündnis für eine lebenswerte Stadt in einem offenen Brief Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz heute auf, die Überführung des Gartenbauamts in die EBB zu überprüfen und sich stattdessen für die hohe Qualität der Bremerhavener Grünpflege im eigenständigen Gartenbauamt einzusetzen.

Bremen – eine kindergerechte Stadt?

Freiräume für Kinder sind Mangelware – Soziale Spaltung manifestiert

Diskussion mit (v.l.) Sandra Ahrens, CDU; Jürgen Brodbeck, Moderation; Sofia Leonidakis, DIE LINKE;  Holger Hofmann, Deutsches Kinderhilfswerk; Dr. Antje Luchs, Uni Bremen; Monika Frank, Sozialressort, Ralph Saxe, Die GRÜNEN, Ingelore Rosenkötter, SPD
Diskussion mit (v.l.) Sandra Ahrens, CDU; Jürgen Brodbeck, Moderation; Sofia Leonidakis, DIE LINKE; Holger Hofmann, Deutsches Kinderhilfswerk; Dr. Antje Luchs, Uni Bremen; Monika Frank, Sozialressort, Ralph Saxe, Die GRÜNEN, Ingelore Rosenkötter, SPD

Bremen soll wachsen und wird künftig dichter bebaut. Angesichts des zunehmenden Ausbaudrucks steigen auch die „Begehrlichkeiten“, weitere Frei- und Spielflächen zu bebauen. »Mit zunehmender Bebauung laufen wir Gefahr, wertvolle Freiräume und wichtige Spiel- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche auf Dauer zu verlieren« warnte das »Bündnis für eine lebenswerte Stadt« anlässlich der Veranstaltung »Bremen – eine kindergerechte Stadt?«. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen sind freie Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder - und Jugendliche bereits heute Mangelware. In diesen »unterversorgten« Stadtteilen dürfen öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen und Spielräume für Kinder und Jugendliche nicht weiter reduziert werden, fordert das Bündnis in einem Positionspapier. Auf der Veranstaltung »Bremen – eine kindergerechte Stadt?« stellten Fachleute die Bedeutung von Spielflächen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar und warnten vor einem weiteren Verlust an Spielraum. Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW, Berlin), beklagte auf der gleichen Veranstaltung die zunehmend schlechten Bedingungen für Kinder in der Stadt: Spielplätze würden rückgebaut, Brachflächen der Nachverdichtung und dem Straßenausbau geopfert. Studien zeigten, dass gute Spielorte einer sozialen Spaltung entgegenwirken und sogar Kitas entlasten können.

 

Weitere Informationen, das aktuelle Positionspapier und alle Vorträge zum download finden Sie hier...

 

Prof. Friedrich von Borries im Interview

Professor Friedrich von Borries
Professor Friedrich von Borries

Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis der HFBK Hamburg, und einer der zur Zeit meistdiskutierten Architekten, Designer und "urbanen Visionäre" war in Bremen und hat im Rahmen einer Veranstaltung im Alten Fundamt ein Leitreferat zum Thema "Grüne Städte" gehalten. Im Interview mit "grünes bremen" fordert von Borries "mutige Strategien für die Stadt der Zukunft". Grün sei der "Zukunftsraum der Stadtentwicklung", der "die Lebensqualität einer Stadt bestimme". Grün habe eine wichtige soziale Funktion: Einzelne Gruppen (vom Zugang zu Grün) auszuschließen oder zu benachteiligen, hält von Borries für falsch. Das vollständige Interview und Informationen zu einer Veranstaltung mit Prof. Borries in Bremen finden Sie hier.

 

 

Unsere Stadtrundgänge

"Grünes Bremen" organisiert eine Reihe von Stadtrundgängen zu grünen Themen - alle Informationen zum Rundgang in Findorff zum Thema "Die klimagerechte Stadt"....

Presseresonanz siehe unten und weitere Artikel hier auf unserer Presseseite.

Unterstützung für klimagerechte Stadt

Das Bündnis für eine lebenswerte Stadt unterstützt das bundesweite Memorandum »Klimagerechte Stadt«. Danach muss die »Klimagerechte Stadt« eine zentrale Rolle für die künftige Stadtentwicklung und im Städte- und Wohnungsbau spielen. Wissenschaftler und Experten machen auf den dringenden Umsetzungsbedarf zum Thema klimagerechte Stadt aufmerksam und fordern eine enge Vernetzung der Themen Klima, Ressourcen und Stadtentwicklung. Auch Bremen steht vor der großen Herausforderung, die Folgen des Klimawandels bewältigen zu müssen. Insbesondere urbanes Grün ist als natürliche »Klimaanlage« ein Schlüssel zur Lösung vieler Klimaprobleme. Nur mit einer guten Grünversorgung kann Bremen die Lebensqualität in der Stadt langfristig sichern. Erhalt und Weiterentwicklung von städtischem Grün ist daher als zentrales Ziel auch in Zeiten klammer Kassen unverzichtbar, so das Bündnis Grünes Bremen - siehe unten. Weitere Informationen www.memorandum-klimagerechte-stadt.de

 

 

"Weitere Kürzungen der Grünpflege und - entwicklung nicht hinnehmbar"

Podiumsdiskussion "Zukunft Stadt und Grün" in der Botanika mit dem VGL und der Stiftung Grüne Stadt.
Podiumsdiskussion "Zukunft Stadt und Grün" in der Botanika mit dem VGL und der Stiftung Grüne Stadt.

Bremens Grün - Bürgerpark, Rhododendron-Park, Wallanlagen, Parks, Plätze und nicht zuletzt die noch zahlreichen Straßenbäume gehören zu Bremen wie der Roland oder die Weser. Doch unser Grün leidet unter einem schleichenden Verlust, warnt das neu gegründete »Bündnis für eine lebenswerte Stadt«. mehr

Hier geht es zu den Ergebnissen der Veranstaltung "Zukunft Stadt und Grün"

 

 

Wer ist »grünes bremen«?

Das sind die Initiatoren und Unterstützer von grünes Bremen: »Bündnis für eine lebenswerte Stadt«.  mehr

 

 

Unsere Positionen für eine Neuausrichtung.

Das »Bündnis für eine lebenswerte Stadt« fordert die Verantwortlichen in folgenden sieben Handlungsfeldern zu einer Neuausrichtung im Umgang mit öffentlichem Grün in Bremen auf.  mehr

 

Derzeit wird ein neues Gewerbeentwicklungsprogramm in Bremen aufgestellt. Nach den Vorstellungen des federführenden Wirtschaftsressorts werden dabei auch weitere neue Gewerbeflächen diskutiert - zum Beispiel im Blockland, in der Ochtumniederung südlich des Flughafens, im Naturschutzgebiet Neustädter Hochwasserpolder und auch in Kleingartengebieten etwa durch die Erweiterung des Gewerbegebietes Bayernstraße. Eine breite Allianz von Fachverbänden, der sich u.a. auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V., Architects for Future Bremen e.V. und der Unternehmensverband Garten -, Landschafts- und Sportplatzbau angeschlossen haben, lehnt die Entwicklung neuer Gewerbegebiete „auf der grünen Wiese“ kategorisch ab. Der ständig steigende Landschaftsverbrauch zerstört fruchtbare Böden und schädigt Natur und Umwelt massiv. „Ein sparsamer Umgang mit der begrenzten Fläche wie auch die Sicherung von Natur- und Freiräumen müssen in Zeiten des Klimawandels und des dramatischen Artensterbens absolute Priorität haben,“ betont Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt.

 

Das Bündnis fordert, den bisherigen expansiven Flächenverbrauch zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken. Das Gewerbeentwicklungsprogramm (GEP 2030) muss deshalb Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch entwickeln und dafür verbindliche Meilensteine festlegen. Dringend erforderlich ist ein grundlegender Wandel der bremischen Flächenpolitik hin zu einer echten Flächen-Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört auch eine Reform der Aufgaben und der Finanzierungslogik der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Das bisherige Kerngeschäft der WFB, Gewerbegebiete mit hohen Kosten zu entwickeln und dann unter Wert zu verkaufen, ist nicht zukunftsfähig und muss den Zielen einer hohen Flächeneffizienz angepasst werden. Die Finanzierung bzw. der Erfolg der WFB darf nicht länger von der Menge der verkauften Gewerbeflächen abhängen.

 

In Bremen beträgt der jährliche Flächenverbrauch derzeit rund 35 Hektar (das entspricht der Größe von 50 Fußballfeldern). Allein in den letzten 20 Jahren sind in Bremen über 2125 Hektar Freifläche durch Gewerbe- und Industrieanlagen verloren gegangen. Das entspricht der Größe von 2976 Fußballfeldern. Aktuell sind bereits rund 60% der Fläche Bremens Verkehrs- und Siedlungsflächen. Mit 348 m2 pro Einwohner weist Bremen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten den höchsten Anteil an bebauter Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Kopf auf.

 

Unverbauter Boden ist neben den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und daher von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz. Die Sicherung von Grünräumen, Stadtnatur und Kleingartengebieten sind für die Lebens- und Umweltqualität in der Stadt unverzichtbar. Sie sorgen für frische Luft, bieten Abkühlung bei sommerlicher Hitze und speichern wertvolles Regenwasser in der Stadt. Für Tiere und Pflanzen sind sie Lebensräume und tragen zum Erhalt urbaner Artenvielfalt bei. Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig soziale Funktionen von Grün- und Freiflächen sind. Als wohnortnahe Aufenthaltsräume wirken sie positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit und dienen der derzeit besonders wichtigen Erholung, Bewegung und Umwelterfahrung.

 

Derzeit wird ein neues Gewerbeentwicklungsprogramm in Bremen aufgestellt. Nach den Vorstellungen des federführenden Wirtschaftsressorts werden dabei auch weitere neue Gewerbeflächen diskutiert - zum Beispiel im Blockland, in der Ochtumniederung südlich des Flughafens, im Naturschutzgebiet Neustädter Hochwasserpolder und auch in Kleingartengebieten etwa durch die Erweiterung des Gewerbegebietes Bayernstraße. Eine breite Allianz von Fachverbänden, der sich u.a. auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V., Architects for Future Bremen e.V. und der Unternehmensverband Garten -, Landschafts- und Sportplatzbau angeschlossen haben, lehnt die Entwicklung neuer Gewerbegebiete „auf der grünen Wiese“ kategorisch ab. Der ständig steigende Landschaftsverbrauch zerstört fruchtbare Böden und schädigt Natur und Umwelt massiv. „Ein sparsamer Umgang mit der begrenzten Fläche wie auch die Sicherung von Natur- und Freiräumen müssen in Zeiten des Klimawandels und des dramatischen Artensterbens absolute Priorität haben,“ betont Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt.

 

Das Bündnis fordert, den bisherigen expansiven Flächenverbrauch zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken. Das Gewerbeentwicklungsprogramm (GEP 2030) muss deshalb Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch entwickeln und dafür verbindliche Meilensteine festlegen. Dringend erforderlich ist ein grundlegender Wandel der bremischen Flächenpolitik hin zu einer echten Flächen-Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört auch eine Reform der Aufgaben und der Finanzierungslogik der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Das bisherige Kerngeschäft der WFB, Gewerbegebiete mit hohen Kosten zu entwickeln und dann unter Wert zu verkaufen, ist nicht zukunftsfähig und muss den Zielen einer hohen Flächeneffizienz angepasst werden. Die Finanzierung bzw. der Erfolg der WFB darf nicht länger von der Menge der verkauften Gewerbeflächen abhängen.

 

In Bremen beträgt der jährliche Flächenverbrauch derzeit rund 35 Hektar (das entspricht der Größe von 50 Fußballfeldern). Allein in den letzten 20 Jahren sind in Bremen über 2125 Hektar Freifläche durch Gewerbe- und Industrieanlagen verloren gegangen. Das entspricht der Größe von 2976 Fußballfeldern. Aktuell sind bereits rund 60% der Fläche Bremens Verkehrs- und Siedlungsflächen. Mit 348 m2 pro Einwohner weist Bremen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten den höchsten Anteil an bebauter Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Kopf auf.

 

Unverbauter Boden ist neben den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und daher von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz. Die Sicherung von Grünräumen, Stadtnatur und Kleingartengebieten sind für die Lebens- und Umweltqualität in der Stadt unverzichtbar. Sie sorgen für frische Luft, bieten Abkühlung bei sommerlicher Hitze und speichern wertvolles Regenwasser in der Stadt. Für Tiere und Pflanzen sind sie Lebensräume und tragen zum Erhalt urbaner Artenvielfalt bei. Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig soziale Funktionen von Grün- und Freiflächen sind. Als wohnortnahe Aufenthaltsräume wirken sie positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit und dienen der derzeit besonders wichtigen Erholung, Bewegung und Umwelterfahrung.

 

Das Bündnis für eine lebenswerte Stadt

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